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Europa als Chance

EU Jugendparlament 2008 in Serbien – Projektevaluation in Belgrad

13.08.2007 · Forschungsgruppe Jugend und Europa


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"Für mich war es eine der interessantesten Reisen, die ich je unternommen habe. Man wurde sehr gut mit internationaler Politik vertraut gemacht", so fasste ein junger Deutscher seine Eindrücke zusammen. Er war Teilnehmer im Mai 2007 beim EU Jugendparlament in Novi Sad (Serbien), bei dessen Konzeption, Durchführung und Evaluation die Forschungsgruppe Jugend und Europa (siehe Bericht) intensiv mitwirkte. An der Veranstaltung waren insgesamt 130 Jugendliche vornehmlich aus Serbien, sowie einige kleineren Gruppen aus Kroatien, Deutschland, Ungarn und Rumänien beteiligt. Auf Initiative des ifa-Koordinationsbüros in Sombor und im Zusammenschluss mit der Regierung und dem Parlament der Autonomen Provinz Vojvodina, der OSZE Mission in Belgrad, der Deutschen Botschaft in Belgrad, der Landeszentrale für politische Bildung in Baden-Württemberg und der Donauschwäbischen Kulturstiftung wurde dieses Großprojekt erfolgreich vom 18. bis 20. Mai 2007 veranstaltet.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die von der Forschungsgruppe Jugend und Europa entwickelte Simulation zur Erweiterung der Europäischen Union. Einen Tag lang verhandelten die Jugendlichen als Mitglieder der Europäischen Kommission, des Rats und des Parlaments oder als Bewerberstaaten wie Kroatien, Türkei oder Serbien über aktuelle Fragen zum Beitritt zur Europäischen Union sowie zum Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen Serbiens mit der Europäischen Union. Abschließend äußerten sich die beteiligten Jugendlichen durchweg positiv zu diesem interaktiven Angebot der politischen Europabildung, wie die nun fertig gestellte Evaluation zeigt.

Als politischen Ausgangspunkt für die Veranstaltung in Novi Sad ist die deutsche EU-Ratspräsidentschaft zu erachten, die einen expliziten Schwerpunkt der EU-Außenbeziehungen auf die Stabilisierung des westlichen Balkans gelegt hatte. Diese Politik gründet sich auf die kontinuierliche Stärkung der Demokratieentwicklung und das langfristige Engagement für eine europäische Perspektive in den einzelnen Ländern. Zukunftsziel ist für Serbien dabei - ähnlich wie für Bosnien-Herzegowina und Montenegro – der Abschluss der Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union. Im Vordergrund der europäischen Politik gegenüber Serbien steht die umfangreiche Unterstützung des politischen und wirtschaftlichen Reformkurses zur weiteren Stabilisierung des Landes. Darüber hinaus engagiert sich die Bundesrepublik Deutschland mit einer Vielzahl von sozialen und gesellschaftspolitischen Projekten in der bilateralen Zusammenarbeit. Hierzu gehört es auch, ein europäisches Bürgerbewusstsein für die Ziele der Europapolitik zu schaffen und über die Entscheidungswege und die EU-Institutionen aufzuklären.

Aufgrund der ausgewiesenen Expertise der Forschungsgruppe Jugend und Europa in diesem letzteren Bereich der europapolitischen Jugendbildung und jugendgerechten Partizipationsstärkung hat sie es sich – in Kooperation mit der OSZE Mission in Serbien - auch zur Aufgabe gemacht, die Veranstaltung in Novi Sad umfassend zu evaluieren. Eine Online Umfrage unter allen Beteiligten diente hier als Mittel, um richtungsweisende Rückschlüsse auf die weitere, gezielte jugendpolitischen Bildungsmaßnahmen für Serbien abzuleiten.

Die Ergebnisse stellte Eva Feldmann-Wojtachnia, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Forschungsgruppe Jugend und Europa, am 30.07.07 in der OSZE Mission in Belgrad vor. Sie unterstrich dabei, welchen positiven Einfluss das EU Jugendparlament auf die beteiligten Jugendlichen hatte:

  • über 90 % halten Simulationen für eine sehr gute, bisher unbekannte Vermittlungsmethode von Europathemen und den entsprechenden politischen Institutionen
  • über 80 % waren mit der Veranstaltung in Novi Sad sehr zufrieden und würden gerne wieder an einer ähnlichen Simulation teilnehmen
  • über 70 % hatten trotz des Großcharakters der Veranstaltung das Gefühl, sich mit den eigenen Interessen und Fähigkeiten gut persönlich einbringen zu können und
  • über 60 % der Befragten sind der Meinung, dass die Veranstaltung in Novi Sad die eigene Wahrnehmung der EU-Serbien-Beziehungen positiv beeinflussen konnte.

Auch die Entwicklung eines kritischen und differenzierten, aber auch positiven Standpunkts zur Europäischen Union und den aktuellen Verhandlungen Serbiens konnte das EU Jugendparlament befördern. So sind den Evaluationsergebnissen entsprechend weit über 70 % der befragten Jugendlichen der Meinung,

  • dass ein stabiles und friedliches Serbien im Interesse der Europäischen Union liege,
  • Serbien auf lange Sicht EU-Mitglied werden sollte und
  • die EU Serbien im Demokratisierungsprozess unterstütze.

Eine serbische Teilnehmerin bringt diese Ergebnisse in einem persönlichen Statement folgendermaßen auf den Punkt:
"I would like to take part in similar projects because I liked the whole idea and organisation of the project. It is good that teenagers get introduced to the work of EU and realize how important it is for Serbia to become a member."

Aus den Evaluationsergebnissen lässt sich ableiten, dass die beteiligten Jugendlichen den eindeutigen Wunsch hegen, sich gezielt zu europapolitischen Fragestellungen weiter zu informieren, weitere Angebote für Jugendliche nutzen möchten und bereit sind, sich in einen konstruktiven Austausch mit den verantwortlichen gesellschaftspolitischen Akteuren ihres Landes zu begeben. Hierbei brauchen sie jedoch systematische und langfristige Unterstützung. Daher zielt die Schlussfolgerung der Evaluation auf die Notwendigkeit einer bildungspolitischen Strategie, die gleichermaßen die Entwicklung

  1. von kohärenten Folgeveranstaltungen und weiteren Projektmodellen speziell für Jugendliche in Serbien,
  2. eines gezielten europapolitischen Schulcurriculums und
  3. jugendgerechter Foren zur Etablierung eines strukturierten Dialog zwischen Jugend und Politik

umfasst. In diesem Zusammenhang stellten die beiden Mitarbeiter der Forschungsgruppe Jugend und Europa Eva Feldmann-Wojtachnia und Tamir Sinai ihre weitreichenden Erfahrungen im Simulationsbereich sowie bei der Entwicklung von Programmen zur Demokratie-, Partizipations- und Toleranzerziehung und zur Unterstützung eines demokratischen und europapolitischen Bewusstseins bei Jugendlichen vor.

Das Treffen wurde von Axel Jänicke (osce) geleitet und brachte als ein erstes konkretes Ergebnis die Vereinbarung zu einer Follow up Veranstaltung im Nationalen Parlament in Belgrad im Mai 2008 hervor, wozu die Forschungsgruppe Jugend und Europa mit der Konzeptentwicklung betraut wurde.

Projekte der Forschungsgruppe Jugend und Europa werden aus Mitteln des Kinder- und Jugendplan des Bundes finanziert.


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