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Entimon-Projekt

Erstes Fortbildungsseminar des Projektes Sprache – Macht – Demokratie

Entimon-Projekt der "Akademie Führung & Kompetenz" in Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe Jugend und Europa befasst sich mit Zuwanderung und Integration.

19.09.2005 · Akademie Führung & Kompetenz


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Das Modellprojekt „Sprache – Macht – Demokratie“ wird vom Bundesprogramm entimon (www.entimon.de) gefördert und von der Akademie Führung & Kompetenz in Kooperation mit der Forschungsgruppe Jugend und Europa mit einer zweijährigen Laufzeit durchgeführt. Ziel des ersten Projektabschnittes ist es, ein Seminarkonzept zu erarbeiten, das sich mit Integration, Partizipation und Toleranz unter dem Aspekt von Sprache befasst. Es wird Multiplikatoren und pädagogischen Einrichtungen zur Verfügung stehen, in denen Sprache und Diskriminierung im Rahmen der Zuwanderungsgesellschaft relevant sind. Zahlreiche Praxisbausteine erlauben eine Sensibilisierung für die Relevanz von Sprache in pluralen Gesellschaften sowie das Erarbeiten von Konsequenzen für das eigene Umfeld. Sprache soll in seiner Relevanz als Thema für alle bewusst gemacht werden – sowohl für Zuwanderer als auch für die deutsche Aufnahmegesellschaft, um Integration als gesamtgesellschaftliche Aufgabe und als demokratischen Prozess zu gestalten.

Im Juli 2005 fand hierzu das erste zweitägige Fortbildungsseminar in Grafrath bei München statt. Ziel des Seminars war, mit praktischen Übungseinheiten den Zusammenhang von Sprache und Identität sowie Sprache und Partizipation zu thematisieren und dafür zu sensibilisieren, inwiefern Machtstrukturen im Zusammenhang mit Sprache existieren und Diskriminierung bedingen.

Zielgruppe waren 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Freiwilligen Sozialen Jahres im Alter von 18-21 Jahren, die in der Ausländerarbeit in Bayern tätig sind. In ihrer täglichen Arbeit sind sie mit der Herausforderung sprachlicher Vielfalt und der Notwendigkeit gelungener Kommunikation konfrontiert.  Die Teilnehmenden selbst stammten aus unterschiedlichen Kulturkreisen und haben 12 verschiedene sprachliche Hintergründe, die teilweise aktiv als Ressource eingesetzt werden können und teilweise aufgrund von Migration nur noch passiv verfügbar sind.

Ablauf des Workshops

Verschiedene Übungen sensibilisierten für ein Bewusstsein des Zusammenhangs eigener Identität und sprachlicher Ressourcen sowie der Notwendigkeit, mit sprachlicher Vielfalt in Deutschland produktiv umzugehen. Bei der Übung „Sprichworte“ etwa wurde anhand des Versuchs, gesammelte Sprichworte und Redewendungen in andere Sprachen zu übersetzen, aufgezeigt, inwiefern eine Sprache auch zum Ausdruck von Normen und Werten wird und einer bestimmten Weltsicht entspringt. Das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Sprachkulturen produziert somit Missverständnisse und Konflikte, die oft unbewusst sind. Der Verbindung von eigener Identität mit Sprache gingen die Teilnehmer auch anhand einer persönlich gestalteten und in Kleingruppen diskutierten „Sprachbiographie“ nach, die verdeutlichte, welche Macht Sprache und sprachliche Erfahrungen in unterschiedlichen Lebensläufen haben.

Sprachen oder Dialekte, die in bestimmten Ländern unterdrückt wurden oder in der deutschen Gesellschaft als unwichtig und für das Arbeitsleben als irrelevant angesehen werden, können schnell zur Minderung gesellschaftlicher Partizipationschancen führen. Integration, so wurde deutlich, bedeutet auch ein Anerkennen der verschiedenen sprachlichen Ressourcen als positiver Beitrag zu einer pluralen Gesellschaft.

In der Seminareinheit „Sprachen der Welt - Weltsprachen“ wurden bewusste oder unbewusste Hierarchien in der Bewertung von Sprachen vertieft. Der Status einer Sprache ist abhängig von ihrer ökonomischen Verwertbarkeit auf dem Arbeitsmarkt, kolonialen Fortschreibungen bestimmter Sprachen sowie der Sprachenpolitik verschiedener Länder. Die Frage, was eine Sprache relevant für die Aufnahme in den Lehrplan eines Landes machen könnte, wurde anhand des Beispiels Deutschland, das Deutsch als Nationalsprache stark priorisiert, kontrovers diskutiert. 
Um die Verantwortung für einen sinnvollen Umgang mit der Problematik von Sprache, Macht und Demokratie selbst zu erproben, bekamen die Teilnehmenden Gelegenheit, in einer Simulation aktiv zu werden. Im Planspiel „Die Schülerzeitung“ wurde mit verschiedenen Rollenprofilen der Vorschlag diskutiert, Seiten in ausländischer Sprache in die Schülerzeitung mit aufzunehmen. Hier verdichteten sich die Erkenntnisse des Workshops und mündeten in der abschließenden Einheit, die ermutigte, persönliche Ressourcen und Potentiale festzuhalten, um konkrete Handlungsoptionen im Alltag der Ausländerarbeit zu einem besseren Umgang mit dem Phänomen Sprache zu erarbeiten.

Die nächsten Fortbildungsseminare im Rahmen des Projektes werden im Herbst mit dem türkischen Bundes in Berlin sowie dem Bayerischen Jugendring stattfinden. Das Handbuch für MultiplikatorInnen und pädagogische Einrichtungen wird Anfang 2006 erscheinen.

Kontakt

www.cap-akademie.de

Susanne Ulrich
Leiterin der Akademie
susanne.ulrich@cap-akademie.de

Florian M. Wenzel
Wissenschaftlicher Mitarbeiter
florian.wenzel@cap-akademie.de


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