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Bertelsmann Transformation Index

Ergebnisse eines Transformationsrankings der Bertelsmann Stiftung und des C·A·P

Bertelsmann Transformation Index analysiert weltweit Entwicklungs- und Transformationsprozesse. Spitzenreiter bei der Gestaltung des Wandels sind Estland, Litauen, Chile, Botswana und Mali - Entscheidend sind die Managementleistungen der politischen Eliten.

20.05.2004 · Bertelsmann Forschungsgruppe Politik


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Prof. Dr. Werner Weidenfeld, Josef Janning, Prof. Dr. Siegmar Schmidt und Prof. Dr. Hans-Jürgen Puhle bei der Präsentation des Bertelsmann Transformation Index. Foto: Bertelsmann Stiftung.

Zahlreiche Staaten in allen Erdteilen haben in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte auf dem Weg zu Demokratie und sozial verantwortlicher Marktwirtschaft erzielt. Gleichzeitig aber verweigern in einer kleiner werdenden Gruppe von Ländern autoritäre Regime jeden Ansatz zu politischen und ökonomischen Reformen. Über Erfolg und Scheitern von gesellschaftlichem Wandel entscheidet das politische Management. Dies ist das Ergebnis des ersten globalen Transformationsrankings, das die Bertelsmann Stiftung und das Centrum für angewandte Politikforschung am 7. Mai in Berlin vorgestellt haben.

Von den 116 analysierten Staaten werden in dem neuen Ranking 71 als Demokratien eingestuft, sechs mehr als im Jahr 1998. 31 von ihnen erhöhten in den vergangenen fünf Jahren die Qualität und Stabilität der Demokratie. Herausragende Verbesserungen auf dem Weg zur Demokratie erzielten in den vergangenen Jahren Kroatien, Mali, die Slowakei, Taiwan und die Türkei.

Auch bei der marktwirtschaftlichen Transformation waren in zahlreichen Staaten positive Entwicklungen zu erkennen. Besonders bemerkenswert sind dabei die Fortschritte aller EU-Beitrittskandidaten, angeführt von Ungarn, Litauen und der Slowakei. Zur Spitzengruppe zählen aber auch viele nichteuropäische Staaten wie Chile, Südkorea, Taiwan und Singapur. Bestätigt hat die Analyse den Zusammenhang von demokratischer und marktwirtschaftlicher Entwicklung: Bemühungen um marktwirtschaftliche Effizienzsteigerung stoßen in autoritären politischen Systemen an enge Grenzen. Umgekehrt benötigen stabile Demokratien eine solide marktwirtschaftliche Basis.

Eine gelungene Transformation zu Demokratie und Marktwirtschaft ist nicht allein auf glückliche Umstände oder globale Strukturprozesse zurückzuführen, sondern das Resultat strategischer politischer Steuerung. "Die Ergebnisse des BTI belegen", so Professor Werner Weidenfeld, Direktor des Centrum für angewandte Politikforschung und Präsidiumsmitglied der Bertelsmann Stiftung, "dass der erfolgreiche Wandel nur durch kluges politisches Management zu erreichen ist. Wenn die politische Elite zielsicher und effektiv Reformprozesse verfolgt und alle Entwicklungspotenziale optimal nutzt, kann der erfolgreiche Umbau selbst unter schwierigen Rahmenbedingungen gelingen."


Teilnehmer der Präsentation, Foto: Bertelsmann Stiftung.

In zehn Staaten sei diese Managementleistung besonders deutlich sichtbar geworden. Neben vier der neuen EU-Mitgliedstaaten gehören zu dieser Gruppe Chile, Mali, Botswana, Uruguay, Südkorea und Costa Rica. Die Regierungen dieser Länder agierten höchst gestaltungsfähig und zielsicher, nutzten ihre Ressourcen effektiv, stützten ihre Reformpolitik auf einen breiten gesellschaftlichen Konsens und demonstrierten große Kooperationsfähigkeit auf internationaler Ebene. Im Vergleich dazu zeigten die Beispiele Venezuela oder Argentinien, wie politische Eliten die Zukunftsfähigkeit ihrer Länder aufs Spiel setzen, wenn sie trotz relativ guter Voraussetzungen nicht willens oder unfähig sind, langfristig und strategisch zu planen. In gut einem Fünftel der untersuchten Länder werden Reformbemühungen systematisch verhindert. Hierzu gehören Kuba, Nordkorea, Turkmenistan oder Simbabwe.

Insgesamt 45 der 116 untersuchten Staaten werden weiterhin von autoritären Regimen beherrscht. Das Spektrum reicht hierbei von gemäßigten Autokratien, in denen Elemente politischer Partizipation und Rechtsstaatlichkeit existieren, über Modernisierungsdiktaturen bis zu tyrannischen Herrschaftssystemen. Ihr Beharrungsvermögen bleibt außerordentlich groß. Lediglich in acht Staaten war eine spürbare Ausweitung der politischen und bürgerlichen Freiheitsrechte festzustellen, allen voran im Golfstaat Bahrain, daneben auch in Afghanistan, Algerien, Angola, Iran, Marokko, Somalia und Tadschikistan. Dramatische Rückschritte gab es etwa in der Demokratischen Republik Kongo, der Zentralafrikanischen Republik und Simbabwe, wo Staatszerfall oder Missmanagement die gesellschaftlichen Zukunftschancen weiter verringerten. In einigen Staaten wie Singapur, China, Malaysia und Vietnam haben sich - nur im ökonomischen Bereich und mit unterschiedlicher Zielstrebigkeit - wandlungsbereite Eliten durchgesetzt, deren politisches Kalkül nicht allein von Machterhalt und Eigennutz geprägt ist.

Das Ziel des BTI ist die systematische Aufbereitung von Transformationswissen durch objektive und weltweit vergleichbare Daten. "Die Analyse dieser Vergleichsdaten erlaubt es, erfolgreiche Strategien des Wandels zu entwickeln und Fehler zu vermeiden", erläutert Professor Werner Weidenfeld. "Wir schaffen damit Orientierung für Reformkräfte in vielen Ländern, aber auch für Unterstützer von außen, die diese Prozesse effizient und zielgerecht begleiten wollen." Politische Entscheidungsträger können den BTI somit als Indikator ihrer Erfolge und zur Entdeckung ungenutzter Chancen einsetzen. Der Bertelsmann Transformation Index soll zukünftig im Abstand von zwei Jahren erstellt werden.

Der erstmals vorgelegte Index ist das Ergebnis einer insgesamt achtjährigen Vorarbeit. In Zusammenarbeit von Bertelsmann Stiftung und dem Centrum für angewandte Politikforschung wurde seit 1996 die konzeptionelle Basis entwickelt. Dem BTI-Board gehören zahlreiche Transformations- und Entwicklungsexperten an. Der numerischen Bewertung des Ranking liegen detaillierte Ländergutachten zugrunde, die von ausgewiesenen Experten anhand zahlreicher Indikatoren erstellt wurden. Zweitgutachter kommentierten die Analysen und nahmen eine weitere, unabhängige Bewertung vor. Die Ergebnisse wurden abschließend innerhalb einzelner Regionen und im weltweiten Vergleich überprüft. Der Bertelsmann Transformation Index unterscheidet sich von anderen vergleichbaren Analysen durch die klare Fokussierung auf die Managementleistung der politischen Entscheidungsträger.

Die Ergebnisse des Bertelsmann Transformation Index sind abrufbar unter: www.bertelsmann-transformation-index.de


Prof. Dr. Werner Weidenfeld und Liz Mohn präsentierten bei einem Besuch in Zagreb dem kroatischen Ministerpräsidenten Dr. Ivo Sanader Ende Mai die Ergebnisse des BTI.


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