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Bilanz der transatlantischen Beziehungen

Besuch von Dr. Dan Hamilton, SAIS Center for Transatlantic Relations, Johns-Hopkins-University.

23.05.2003 · Forschungsgruppe Europa


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  Dr. Dan Hamilton

Das "alte" Europa und die Vereinigten Staaten bemühen sich derzeit offensichtlich um eine Verbesserung ihres Verhältnisses. Kürzlich erst stattete Colin Powell einigen europäischen Staaten - darunter auch Deutschland - Kurzbesuche ab, Wolfgang Clement traf sich mit amerikanischen Regierungsvertretern in Washington und der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erlebt wieder konstruktive Verhandlungen über U.S.-Resolutionsentwürfe, unter aktiver Beteiligung auch von Frankreich, Russland und der Bundesrepublik.

Doch was steht hinter den beschädigten Beziehungen? Über diese Frage diskutierten Mitarbeiter des C·A·P und Gäste im Rahmen eines Kolloquiums mit Dr. Dan Hamilton, Direktor des SAIS Center for Transatlantic Relations an der Johns-Hopkins-University, Washington D.C.

Ein entscheidende Rolle bei der Betrachtung transatlantischer Beziehungen spielten, so Hamilton, die verschiedenen "Brillen", durch welche die Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks blickten. Demnach sehe sich Europa selbst als das große weltpolitische Projekt an, indem noch unter dem Eindruck des "9.11.1989" - dem Tag des Falls der Mauer - Fragen der europäischen Erweiterung und Integration und der Stabilisierung des Kontinents als vorrangig betrachtet würden. In den Vereinigten Staaten dagegen determinierten die Ereignisse des "11.9.2001" und der daraus resultierende "Kampf gegen den Terrorismus" sämtliche Denk- und Aktionsmuster. Hinzu komme ein weiterer scharfer Kontrast politischer Sichtweisen: Während sich in Europa nach dem Fall der Mauer eine "Hoffnung auf Besseres" breit gemacht habe, dominiere in Amerika nach den Terroranschlägen die "Angst vor Schlimmerem" - das Schlimmste ist demnach noch nicht überstanden, sondern steht noch bevor.

In Erkenntnis dieser konkurrierenden Sichtweisen müsse der ernsthafte Versuch unternommen werden, durch die "Brille" des jeweils anderen zu blicken. Alte Maßstäbe müssten an die veränderte weltpolitische Lage angepasst werden: Ist Amerika bereit, Europa als ernsthaften Partner in sämtlichen relevanten Politikbereichen zu integrieren? Und wird es den Europäern gelingen, ihre Fähigkeiten effizienter zu gestalten? Die Runde am C·A·P war sich darin einig, dass die Herausforderungen der Globalisierung gemeinsame Antworten der USA und Europas erforderten. Allerdings müssten die veränderte Bedeutung strategischer Stabilität, unterschiedliche Konzepte der Abschreckung, der Verteidigung, der Prävention und der "Preemption" sowie die Folgen der Globalisierung ernsthaft miteinander diskutiert werden.

Dan Hamilton blickt dabei optimistisch in die Zukunft. Probleme resultierten häufig auch aus großer Nähe und einem direkten Aufeinanderprallen verschiedener Meinungen. Die Konflikte seien auch ein Zeichen für die tatsächliche tiefe Verbundenheit zwischen den USA und Europa.


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