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Carl Bertelsmann-Preis 2001

Der diesjährige Preis geht für Transformations- und Entwicklungsleistungen nach Polen und Bolivien.

Die Bertelsmann Stiftung verleiht jährlich den mit 300.000 DM dotierten und nach dem Gründer des Unternehmens benannten Carl Bertelsmann - Preis für vorbildliche Ansätze zur Lösung politischer und gesellschaftlicher Probleme.

12.09.2001 · Bertelsmann Forschungsgruppe Politik


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Reinhard Mohn, Josef Janning und Prof. Werner Weidenfeld bei der Verleihung des Carl Bertelsmann-Preis 2001.
Foto: Bertelsmann Stiftung

Am 11. September, zum Zeitpunkt, als sich Experten bei der Verleihung des Carl Bertelsmann-Preises 2001 über die Gestaltung von Entwicklungs- und Transformationsprozessen austauschten, machten die Terrorattentate in Amerika auf drastische Weise deutlich, dass die Bewältigung von Modernisierungsprozessen mehr ist als ein regionales Problem. Entwicklung und Demokratie sind im Gegenteil wohl die wichtigsten präventiven Instrumente gegen politische Radikalisierung, Terror und Krieg. Demokratien führen keine Kriege gegeneinander; offene Marktwirtschaften suchen den friedlichen Interessenausgleich. Die Unterstützung des Wandels liegt daher im vitalen und wohlverstandenen Eigeninteresse der modernen marktwirtschaftlichen Demokratien.

In jedem Jahr untersucht die Bertelsmann Stiftung außergewöhnliche Lösungen für politische Schlüsselprobleme und prämiert diese mit dem Carl Bertelsmann-Preis. 2001 stand die Gestaltung des Wandels im Mittelpunkt: Wie können Entwicklungsprozesse, wie kann der Wandel zu Demokratie und Marktwirtschaft effektiv und friedlich gesteuert werden? In welchen Staaten ist dies besonders gut gelungen? Wer hatte maßgeblichen Anteil daran? Professor Werner Weidenfeld, Direktor des CAP und Präsidiumsmitglied der Bertelsmann Stiftung, stellte in seiner Laudatio die diesjährigen Preisträger vor: "Mit Polen und Bolivien konnten zwei vorbildhafte Staaten identifiziert werden, die auf ihrem Entwicklungsweg eine besonders weite Strecke erfolgreich zurückgelegt und gestaltet haben". Polens Transformation sei nur durch das Zusammenwirken dreier unterschiedlicher Persönlichkeiten denkbar gewesen: Tadeusz Mazowiecki, dem ersten Ministerpräsidenten nach dem Umbruch, gelang die richtungsweisende Steuerung und Integration in der schwierigen Anfangsphase. Der damalige Finanzminister Leszek Balcerowicz leitete konsequent die marktwirtschaftliche Transformation ein und bildete somit ein stabiles Fundament für weitere Reformschritte. Adam Michnik, der dritte polnische Preisträger, verkörpert den Aufbau der für diesen Prozess immens wichtigen Zivilgesellschaft.

Die herausragende Entwicklungsleistung Boliviens steht in engem Zusammenhang mit der Etablierung von Rechtsstaatlichkeit und Bürgerbeteiligung. Dies drückt sich auch in der Auswahl der Preisträger aus: René Blattmann, Justizminister von 1994 bis 1997, hat in Bolivien erstmals ein rechtsstaatliches Fundament gelegt und auch nach seiner Amtszeit für Bürgerbeteiligung gestritten. Ana María Romero de Campero sorgt seit 1998 als bolivianische Ombudsfrau dafür, dass die Interessen der Bürger vertreten und rechtsstaatliche Verfahren eingehalten werden.

Ziel der Preisverleihung war, der politischen Diskussion über Chancen und Möglichkeiten des Systemwandels und dessen Unterstützung neue Impulse zu geben. Vorausgegangen waren umfangreiche Vorarbeiten. Gestützt auf die Ergebnisse der Forschungsarbeiten am CAP wurden rund 150 Kriterien entwickelt, mit deren Hilfe insgesamt 59 Entwicklungs- und Transformationsprozesse auf den Prüfstand gestellt und verglichen wurden. Erfreuliches Resultat war, dass trotz der immensen Schwierigkeit bei der Gestaltung des Wandels weltweit erfolgreiche Lösungsmodelle ausgemacht werden konnten. So beeindruckten außer den Preisträgern in der Kategorie der fortgeschrittenen Transformationsstaaten beispielsweise noch Ungarn, Taiwan, Slowenien, Südkorea und Uruguay durch ihre Leistungen. Außergewöhnlich erfolgreiche Leistungen in Mali und Mauritius konnten das Entwicklungspotenzial dieser beiden Staaten erheblich verbessern.

Ganz in der Tradition früherer Carl Bertelsmann-Preise soll die Preisverleihung nicht das Ende der aufwändigen Recherchen und einer intensiven Arbeitsphase sein sondern eher ein Aufbruch. Da sich die nützlichsten Lernerfahrungen für künftige transformationswillige Akteure und Staaten aus den bereits stattgefundenen Prozessen ableiten lassen, bilden die Strategien, Erfolge aber auch Fehler der untersuchten Staaten eine wichtige Wissensquelle zur weiteren Erarbeitung von entsprechenden Strategien. Die Projektteams aus Gütersloh und München werden daher auch in Zukunft die gewonnenen Erkenntnisse nutzen und zum Thema weiter arbeiten.

Publikationen

Werner Weidenfeld (Hrsg.):
Den Wandel gestalten - Strategien der Transformation
Band 2, Dokumentation der internationalen Recherche
Carl Bertelsmann-Preis 2001, 2. Auflage 2002.

Werner Weidenfeld (Hrsg.):
Den Wandel gestalten - Strategien der Transformation
Band 1, Ergebnisse der internationalen Recherche, Carl Bertelsmann-Preis 2001. 1. Auflage 2001.

Links

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie unter der Internetadresse www.carl-bertelsmann-preis.de.

Projekt Transformation der Bertelsmann Forschungsgruppe Politik am Centrum für angewandte Politikforschung.


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