Xenos-Projekt: "Demo-Credit"
Zertifizierung und Professionalisierung von Demokratie - Lernen in der deutschen Einwanderungsgesellschaft
(2/2009 - 1/2012)
Ziel des Projekts der Akademie Führung & Kompetenz ist es, die Qualität von Demokratie-Lernen in der deutschen Einwanderungsgesellschaft zu erhöhen sowie sichtbar und vergleichbar zu machen, und damit politische Bildung insgesamt in ihrer gesamtgesellschaftlichen Relevanz zu verdeutlichen. Um Ausbildungen des Demokratie-Lernens begleiten zu können, brauchen pädagogische Fachkräfte professionelle und nachweisbare Qualifikationen. Auch für die Lernenden ist es wichtig, dass die erworbenen Fähigkeiten bescheinigt und anerkannt werden.

Das seit zwei Jahren laufende Projekt "Demo-Credit-Zertifizierung und Professionalisierung von Demokratie-Lernen in der deutschen Einwanderungsgesellschaft" der Akademie Führung & Kompetenz setzt hier an. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales im Rahmen des Programms XENOS - Vielfalt und Integration mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds. XENOS ist Teil des Nationalen Integrationsplans der Bundesregierung. Des weiteren wird das Projekt durch die Demokratie-Stiftung der Universität Köln sowie zahlreiche weitere Partner unterstützt.
Im Zuge der Bemühungen um die Anerkennung und Durchlässigkeit verschiedener Berufsfelder wird auf der Basis des Europäischen Qualifikationsrahmens für Lebenslanges Lernen (EQR) derzeit ein Deutscher Qualifikationsrahmen (DQR) erstellt.Zur Anerkennung demokratischer Kompetenzen gibt es auch innerhalb der politischen Bildung noch keine erprobten Verfahren. Viele Vertreter der politischen Bildung sehen die Darstellung von Demokratie-Kompetenzen zudem sehr kritisch. Sie fürchten die Ökonomisierung und Instrumentalisierung eines Fachs, das einen aufklärerischen und emanzipatorischen Charakter haben sollte. Das Projekt der Akademie Führung & Kompetenz stellt sich der Kontroverse und schafft eine Balance zwischen der Notwendigkeit eines Vergleichsrahmens und der selbstreflexiv-kritischen Rolle von politischer Bildung.
So wird Kompetenz als Übernahme von Verantwortung und Selbstständigkeit gesehen und beinhaltet somit auch Selbstreflexivität und individuelle wie auch soziale Dimensionen. Demokratiekompetenz bedeutet sich vorrangig im demokratischen Rahmen zu bewegen, eine demokratische Haltung (Anerkennung des gleichen Rechts auf freie Entfaltung) einzunehmen und demokratische Verfahren (Aushandlungsprozesse) anwenden und Ergebnisse als von Entscheidungsprozessen als überdenkbar zu betrachten.
Der Name "Demo-Credit" bezieht sich dabei zum einen auf den Ausdruck "to credit" (anrechnen, gutschreiben) als Symbol für die Professionalisierung von Demokratie-Lernen: "Credit points" sind der europäische Weg, Lernen zu zertifizieren. Im Projekt werden Trainer des Demokratie-Lernens durch standardisierte Kriterien der Qualifizierung gestärkt werden. Ausgehend von der Recherche über bestehende Systeme der Leistungsanerkennung entwickelt die Akademie ein Zertifizierungssystem und in Train-the-Trainer-Ausbildungen testen. Geplant ist auch eine Implementierung der Demokratie-Lernen-Programme im Kontext der zertifizierten formalen Bildung an Universitäten, was in Zusammenarbeit mit der Freien Universität Berlin erprobt werden soll.
"Demo-Credit" bezieht sich zum anderen auf den Ausdruck "to give credit" (Anerkennung zollen), als Analogie für die Anerkennung von Ressourcen der Einwanderungsgesellschaft. Die Akademie entwickelt pädagogische Materialien und Seminarkonzepte, die den Blick auf Ressourcen und Kompetenzen von Migrantinnen und Migranten (individueller Aspekt) wie auch auf das Potenzial der Einwanderungsgesellschaft (systemischer Aspekt) fördern sollen. Wenn sich politische Bildung mit der Einwanderungsgesellschaft befasst, bedeutet das oft eine "Behandlung" bestimmter Zielgruppen und ihrer Problematiken – seien es rechtsorientierte Jugendliche oder sogenannte "Problem-Migranten". Der Umgang mit Heterogenität und Integration sowie die Frage der Möglichkeiten und Grenzen von Demokratie nicht nur als Staatsform, sondern als Form des täglichen Umgangs miteinander stellen sich jedoch für die gesamte Gesellschaft. Die geplanten Maßnahmen können dazu beitragen, bereits bestehende Angebote politischer Bildung in Deutschland professioneller darzustellen sowie bestehende Ressourcen, Talente und Qualifikationen der Teilnehmer politischer Bildung angemessener zu würdigen.

Demokratiekompetenz - Sich selbst sehen, die Anderen sehen, das Ganze sehen und die Grenzen hinterfragen. Das Ziel von Demokratie-Lernen: Verantwortung und Selbstständigkeit.



