Modellprojekt "Gedenkstättenpädagogik und Gegenwartsbezug"

Selbstverständigung und Konzeptentwicklung

(2007 – 2010)

Seit 2007 ist die Akademie Führung & Kompetenz gemeinsam mit dem Fritz Bauer Institut Frankfurt Projektpartner im Bundesmodellprojekt "Gedenkstättenpädagogik und Gegenwartsbezug", das u.a. vom BMFSFJ über das Förderprogramm VIELFALT TUT GUT. Jugend für Vielfalt, Toleranz und Demokratie und der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft finanziert wird. Projektträger ist die Stiftung Jugendgästehaus Dachau. Zur Projektseite "Weiterbildung Gedenkstättenpädagogik".

Ziele des Projektes sind:

a) die Initiierung und Etablierung eines Fachaustausches, der auf eine zeitgemäße Fundierung von Gedenkstättenpädagogik orientiert ist, sowie die Verständigung über erwünschte Qualifikationen in der Gedenkstättenpädagogik und

b) die Entwicklung, Diskussion, Evaluation und Implementierung von Übungen und Fortbildungskonzepten für Mitarbeiter(innen) mit pädagogischem Auftrag an Gedenkstätten (Multiplikatorenschulungen).

Ausgangssituation

An Gedenkstätten sind in der Vermittlung überwiegend Menschen tätig, die keine pädagogische Ausbildung haben, und sich – in der Regel nach einer themen- und ortsspezifischen Einführung - im Kontakt mit den Gruppen pädagogisch selbst qualifizieren. Gleichzeitig wird von der Gesellschaft der Anspruch gestellt, dass gedenkstättenpädagogische Arbeit eine demokratiefördernde Wirkung in der Gegenwart entfalten soll. Die Erfahrung zeigt, dass das in diesem Kontext naheliegend scheinende Einfügen demokratiepädagogischer Elemente in die Gedenkstättenarbeit zu eher unbefriedigenden bzw. fragwürdigen Ergebnissen führt. Lernen unterliegt am "historischen Ort", insbesondere an Gedenkstätten, offensichtlich besonderen Bedingungen, die mit demokratiepädagogischen Anliegen, wie Ergebnisoffenheit, Kontroversitätsgebot und Überwältigungsverbot immer wieder in einem Spannungsverhältnis stehen. Der Anspruch "historische Bildung für heute" zu praktizieren wurde im Projekt aus der Perspektive reflektiert, dass es keiner Bezugnahme bedarf, sondern wir umgekehrt gar nicht anders können als historische Bildung für die Gegenwart und mit einer Sinngebung für die Zukunft zu formulieren. Dies gilt es jedoch für alle Ebenen zu reflektieren: den Werten und Zielen sowie dem methodischen Handeln der Mitarbeitenden, den Bezugnahmen und Interessen der Besuchenden, der Darstellung des Ortes sowie des institutionellen Rahmens. Ein Ergebnis dieses Diskussionsprozesses mündete in der Formulierung eines "Berufsbild Gedenkstättenpädagogik", in dem erwünschte Qualifikationen von Gedenkstättenmitarbeitenden aufgelistet sind.

Procedere

An dem dreijährigen Modellprojekt arbeiten leitende pädagogische Mitarbeitende von 12 deutschen, österreichischen und polnischen Gedenkstätten mit. Im Verlauf des Projektes kristallisierte sich die Überzeugung heraus, dass die Qualität der Arbeit nur durch die Bereitschaft und Fähigkeit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zur Selbstreflexion gesichert werden kann. Dazu wurden von den Projektpartnern Übungen zur Selbstreflexion entwickelt, die zum Teil in der Alleinbearbeitung oder in selbstorganisierten Gruppen, zum Teil in speziell dafür entwickelten Seminaren bearbeitet werden sollen. Diese Übungen wurden in Pilotseminaren und Testläufen mit Gedenkstättenmitarbeiter/innen erprobt und dann in Zusammenarbeit mit der Projektgruppe weiterentwickelt. Zeitgleich wurden insgesamt sechs Trainer/innen ausgebildet, um auch nach Projektende in Kooperation mit den KZ- bzw. Euthanasie- Gedenkstätten Fortbildungen anzubieten, die passgenau auf den jeweiligen Bedarf zugeschnittenen werden können. Zum Abschluss des Projekts erscheint eine Publikation, die neben Theoriebeiträgen, dem "Berufsbild Gedenkstättenpädagogik" ausgewählte Übungen beinhaltet. Die Projektergebnisse werden auf einer Fachtagung am 28. und 29. August 2010 im Jugendgästehaus Dachau vorgestellt. Dazu ist ein interessiertes Publikum herzlich eingeladen.

Das Projekt wird von Silvia Simbeck und Florian Wenzel nach den Grundsätzen der Partizipativen Evaluation qualitätssichernd begleitet und evaluiert.

Kontakt

Akademie Führung & Kompetenz:
Susanne Ulrich

Projektleitung am Jugendgästehaus Dachau:
Barbara Thimm